Bitcoin-Preisrückgang legt systemischen Stress im Markt offen
Der aktuelle Preisrückgang von Bitcoin zeigt, wie angespannt der gesamte Markt ist – ganz besonders für Miner. Die institutionellen Investments, die den letzten großen Preisanstieg ausgelöst haben, drehen sich inzwischen in die Gegenrichtung. Seit dem Kurshoch im Oktober 2025 verzeichnen Spot-Bitcoin-ETFs in Summe nahezu 100.000 BTC Netto-Abflüsse. Viele ETF-Investoren liegen mit einem durchschnittlichen Einstiegspreis um 90.000 Dollar deutlich höher als der aktuelle Kurs. Mit einem Kursverlust von rund 24 Prozent Year-to-Date notieren zahlreiche dieser Käufer im Minus, was zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen kann.
Selbst grundsätzlich bullishe Banken signalisieren kurzfristige Risiken. Standard Chartered etwa sieht kurzfristig weitere mögliche Kurse in Richtung 50.000 Dollar, hält aber an einem Kursziel von 100.000 Dollar bis 2026 fest. Diese Konstellation – langfristig optimistisch, kurzfristig defensiv – spiegelt gut wider, wie zweigeteilt der Markt aktuell tickt. Für Miner bedeutet das: Volatilität und anhaltende Unsicherheit beim Bitcoin-Preis bleiben vorerst der Ausgangszustand.
Auch wenn das alles nach klassischem Bitcoin-Bärenmarkt klingt, hat sich die Marktstruktur im Vergleich zu früheren Zyklen spürbar verändert. Das ist wichtig, um einzuordnen, wie tief der Markt realistisch fallen kann – und wie brutal der Druck auf Mining-Margen tatsächlich noch wird.
Kursrückgänge werden kleiner – aber bleiben schmerzhaft
Der aktuelle Kursrückgang vom All-Time-High lag im Tiefpunkt bei rund 52 Prozent. Das ist heftig, aber im historischen Vergleich moderater: Frühere Zyklen sahen deutlich tiefere maximale Kursverluste. Mehrere strukturelle Faktoren dämpfen heute die Ausschläge. So gab es in diesem Zyklus keinen extremen Blow-Off-Top wie 2013 oder 2017; der Markt ist weniger überschäumend explodiert, also fällt auch die anschließende Implosion etwas kontrollierter aus.
Dazu kommen Spot-ETFs und institutionelles Kapital, die für eine andere Marktliquidität sorgen als die überwiegend Privatanleger-getriebenen Bullenmärkte der Vergangenheit. Unternehmens-Treasuries, die Bitcoin langfristig auf der Bilanz halten, sowie ein generell tieferer, liquiderer Markt wirken als Puffer. Diese Faktoren verhindern zwar keinen Bärenmarkt, aber sie können die extremsten Ausschläge nach unten abmildern. Für Miner heißt das: Die Chancen auf ein apokalyptisches Kapitulationsszenario wie in früheren Zyklen sind geringer – aber ein monatelanger, zäher Margenrückgang bleibt trotzdem sehr real.
Die zentrale Frage verschiebt sich damit weg von „Wie tief fällt der Preis?“ hin zu „Wie lange hält die Belastung an?“ Denn selbst ein begrenzter Kursverlust kann tödlich sein, wenn er sich über viele Monate erstreckt und die Hashprice-Erlöse permanent niedrig bleiben.
Bärenmarktdauer: Das dicke Ende kommt meist zum Schluss
Ein hilfreicher Indikator für Marktphasen ist die 200-Tage-Simple-Moving-Average (200SMA). In der Regel signalisiert ein Preis oberhalb der 200SMA eine nachhaltige Bullenphase, während ein längerer Aufenthalt darunter eher auf einen Bärenmarkt oder zähe Konsolidierung hindeutet. Ein Blick in die Historie: Nach dem Bärenmarkt 2018 dauerte es etwa 384 Tage, bis Bitcoin die 200SMA wieder nachhaltig zurückerobert hatte; nach dem 2022er Crash waren es rund 378 Tage.
Auffällig ist zudem, dass die Tiefstände im jeweiligen Zyklus nicht früh, sondern spät im jeweiligen Bärenmarkt kamen. Nach dem Kurshoch 2017 wurde der Tiefstand erst etwa 364 Tage später markiert. Nach dem Hoch 2021 dauerte es rund 375 Tage bis zum finalen Tief. Die Kernbotschaft: Kursrückgänge ziehen sich oft deutlich länger hin, als es sich die meisten Marktteilnehmer vorstellen. Die schlimmsten Preisniveaus werden häufig erreicht, wenn die Stimmung ohnehin schon monatelang bearish ist – nicht in der ersten Schockphase.
Für die Mining-Ökonomie ist diese zeitliche Struktur entscheidend. Historisch fällt der brutalste Schmerz für Miner in die späte Phase des Bärenmarkts, nicht an dessen Anfang. Die die Tiefstände im jeweiligen Zyklus beim Bitcoin-Preis korrelierten bislang eng mit dem niedrigsten Hashprice des Zyklus und damit mit maximalem Stress auf den Mining-Margen – oft kurz vor einem Halving-bedingten Reset. Ausgehend vom jüngsten Peak am 6. Oktober legt ein vergleichbarer Zeitverlauf nahe, dass ein mögliches Tief um Oktober dieses Jahres liegen könnte.
Das hätte weitreichende Konsequenzen: Die geringere Profitabilität könnte sich noch viele Monate hinziehen; der Hashprice kann strukturell schwach bleiben, selbst wenn der Bitcoin-Preis nicht komplett kollabiert. Die härteste Phase steht Minern womöglich noch bevor: Flottenabschaltungen, Bilanzprobleme, angespannte Energieverträge und erzwungene Konsolidierungen. Für Miner ist die Kernfrage daher weniger, ob Bitcoin noch weiter fällt, sondern ob das eigene Setup überlebt, wenn die aktuellen, ohnehin schon dünnen Margen sich bis weit in das nächste Jahr hineinziehen.
Den kompletten Artikel von Digital Mining Solutions findest du hier.
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